Das richtige Sägeblatt für Metall
Beim Sägen von Metall gibt es eine Regel, die keine Empfehlung ist, sondern eine Bedingung: Es müssen immer mindestens zwei bis drei Zähne gleichzeitig im Material greifen. Wer sie verletzt, zerstört nicht nur das Blatt – das Bruchstück wird mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert. Alles Weitere zu Blattwahl, Drehzahl und Kühlung baut auf dieser Regel auf.
Die Zähne-im-Eingriff-Regel
Die Rechnung dahinter ist simpel: Wenn die Zahnteilung 2 mm beträgt und das Blech 2 mm dick ist, greift zu jedem Zeitpunkt genau ein Zahn. Dieser eine Zahn muss die gesamte Schnittkraft aufnehmen. Er hakt sich in die Kante, das Blatt federt, und beim nächsten Hub bricht es an der Einspannstelle.
Die Rechenregel
Zahnteilung × 3 ≤ Materialstärke.
Beispiel: 3 mm Blech → Zahnteilung höchstens 1 mm → T 118 A (1,1–1,5 mm) passt gerade
noch, T 118 G (0,7 mm) ist sicherer.
Beispiel: 6 mm Blech → Zahnteilung bis 2 mm → T 118 B (1,9–2,3 mm) passt.
Stahlblech nach Stärke
| Blechstärke | Blatt | Zahnteilung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| 0,5–1,5 mm | T 118 G | 0,7 mm | Sehr dünnes Blech flattert. Zwischen zwei Holzresten einspannen. |
| 1–3 mm | T 118 A | 1,1–1,5 mm | Der Standard. HSS, gewellt gefräst. |
| 1–3 mm, bruchfest | T 118 AF | 1,1–1,5 mm | Bi-Metall. Erste Wahl bei Lochblech und wenn es hakt. |
| 2,5–6 mm | T 118 B | 1,9–2,3 mm | Mittelstarkes Blech. |
| 1,5–10 mm | T 123 X | 1,2–2,6 mm | Progressor: ein Blatt für den ganzen Bereich. |
| Kurven, 1–3 mm | T 218 A | 1,1–1,5 mm | Schmaler Rücken für Radien. |
| Kurven, 1,5–4 mm | T 118 EOF | 1,5 mm | Bi-Metall, kurz und schmal. |
HSS oder Bi-Metall?
Bei Metallblättern hast du praktisch immer beide Optionen. Der Unterschied ist deutlicher als bei Holzblättern:
HSS (z. B. T 118 A) | Bi-Metall (z. B. T 118 AF) | |
|---|---|---|
| Aufbau | komplett aus Schnellarbeitsstahl | zäher Trägerstahl mit aufgeschweißten HSS-Zähnen |
| Bruchverhalten | spröde – bricht bei Verkanten sofort | biegt sich, bricht deutlich seltener |
| Standzeit | gut | zwei- bis dreimal länger |
| Preis | günstig | etwa doppelt so teuer |
| Wann | gerade Schnitte, gut fixiertes Material | Lochblech, Profile, über Kopf, alles was vibriert |
Empfehlung: Bei Lochblech, Rohren und Profilen führt kein Weg an Bi-Metall vorbei. Der Zahn trifft dort ständig auf Kanten und Hohlräume – ein HSS-Blatt bricht dabei zuverlässig.
Aluminium und Buntmetall
Aluminium ist weich, und genau das ist das Problem. Der Span ist zäh und klebrig und setzt die Zahnlücken zu. Ein zugesetztes Blatt schneidet nicht mehr, sondern reibt – und reibt sich in Sekunden fest.
- Blech und Profile 3–15 mm:
T 127 D– Zahnteilung 3 mm, große Zahnlücken, damit der Span Platz hat - Kurven in Alu:
T 227 D - Dünnes Alu 1,5–10 mm gemischt:
T 123 X - Alu bis 20 mm, Universalblatt:
T 345 XF
Der Kerzenwachs-Trick
Fahr mit einer normalen Haushaltskerze über die Zähne, bevor du in Aluminium sägst. Das Wachs verhindert, dass der Span in den Zahnlücken klebt. Schneidöl oder Schneidpaste funktionieren genauso gut. Ohne irgendein Gleitmittel ist ein Alu-Blatt nach wenigen Zentimetern zugesetzt.
Edelstahl und Inox
Der schwierigste Fall. Edelstahl neigt zur Kaltverfestigung: Durch die Reibungswärme härtet die Schnittzone aus. Wenn du absetzt und im selben Schnitt neu anfängst, ist das Material an dieser Stelle härter als dein Blatt.
- 0,5–1,5 mm:
T 118 GFS– Zahnteilung 0,8 mm, speziell für Inox - 1,5–4 mm:
T 118 EFS– Zahnteilung 1,4 mm
So gehst du vor:
Niedrigste Drehzahlstufe
Stufe 1. Bei Edelstahl ist jede zusätzliche Drehzahl direkt Wärme, und Wärme ist hier der Feind.
Pendelhub auf 0
Jede Pendelbewegung erhöht die Schlagbelastung auf den einzelnen Zahn.
Kühlen und schmieren
Schneidöl oder Bohremulsion großzügig auftragen und während des Schnitts nachlegen.
In einem Zug durchziehen
Nicht absetzen. Wenn du doch musst: An einer anderen Stelle neu ansetzen, nicht in der kaltverfestigten Zone.
Gleichmäßig, ohne Druck
Das Blatt arbeiten lassen. Druck erzeugt nur mehr Wärme und keinen schnelleren Fortschritt.
Rohre und Profile
Bei Rohren tritt das Blatt zweimal pro Umdrehung in eine Kante ein und wieder aus. Das ist Schlagbelastung pur.
- Bis 65 mm Durchmesser, dünnwandig:
T 318 A– 106 mm verzahnte Länge, damit das Blatt beim Durchtritt nicht aus dem Rohr springt - Dickwandig, 2,5–6 mm:
T 318 BF– Bi-Metall - Gemischte Wandstärken:
T 345 XF
Rohre gehören in den Schraubstock
Ein Rohr, das du mit der Hand festhältst, dreht sich beim Anschnitt weg. Das Blatt verkantet und bricht, und die Säge schlägt zur Seite. Rohre und Profile immer im Schraubstock oder mit zwei Zwingen fixieren – und nie in der Verlängerung der Schnittlinie festhalten.
Einstellungen für Metall
Drei Regeln, die immer gelten
- Pendelhub immer auf 0. Ohne Ausnahme. Der Pendelhub reißt den Zahn seitlich in die Kante – in Metall führt das direkt zum Bruch.
- Drehzahl niedrig. Stufe 1 bis 2. Metall braucht Zeit, keine Umdrehungen.
- Kühlen. Schneidöl verdoppelt bis verdreifacht die Standzeit. Es kostet ein paar Euro und spart dir Blätter.