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Kurven und Kreise sägen

Zuletzt aktualisiert am 26. Juli 2026 · Redaktion stichsaege-vergleich.de · Lesezeit ca. 7 Minuten

Kurven sind die Disziplin, in der die Stichsäge jedem anderen Elektrowerkzeug überlegen ist. Trotzdem gehen genau hier die meisten Blätter kaputt – weil fast alle den Radius zu eng ansetzen und mit seitlichem Druck dagegenhalten. Der Trick besteht darin, den Radius nicht zu erzwingen, sondern ihn dem Blatt zu ermöglichen.

Das Grundprinzip: Die Säge dreht sich um die Fußplatte

Wenn du eine Kurve fährst, dreht sich die Säge über die Fußplatte – nicht über das Blatt. Das Blatt muss dieser Drehung folgen, und dabei stemmt sich sein Rücken gegen die Innenseite der Schnittfuge.

Je breiter das Blatt, desto stärker verklemmt es. Ein 8 mm breites Blatt braucht deshalb einen deutlich größeren Radius als ein 4 mm breites. Wer den Radius trotzdem erzwingt, verwindet das Blatt – es schneidet dann schräg, wird heiß und bricht irgendwann an der Einspannstelle.

Die Kurvenregel in einem Satz

Für Kurven brauchst du ein schmales Blatt und Pendelhub 0 – und du musst langsamer fahren, als du möchtest.

Die Kurvenblätter

Kurvenblätter erkennst du am O in der Bezeichnung: Es steht für den schmalen Blattrücken. Zusätzlich sind sie meist kürzer, weil ein kurzes Blatt sich weniger verwindet.

BlattMaterialStärkeVerzahnte Länge Charakter
T 101 AOWeichholz, Sperrholz, beschichtete Platten1,5–15 mm 56 mmFeinste Zahnung, engste Radien
T 119 BOWeichholz, Sperrholz, Platten2–15 mm56 mm Günstiges Basic-Blatt
T 244 DWeichholz, Platten5–50 mm74 mm Für dickeres Material, schneller
T 218 AStahlblech1–3 mm67 mm Kurven im Blech
T 118 EOFBlech, Lochblech1,5–4 mm57 mm Bi-Metall, bruchfest
T 227 DAluminium, Buntmetall3–15 mm74 mm Große Zahnlücken für Alu-Span

Welcher Radius ist möglich?

Als grober Anhaltspunkt: Der kleinste sinnvolle Radius entspricht ungefähr dem Vier- bis Fünffachen der Blattbreite. Ein schmales Kurvenblatt wie das T 101 AO schafft damit Radien in der Größenordnung von 15 bis 20 mm, ein normales Holzblatt eher 40 bis 50 mm. Das sind Erfahrungswerte, keine Herstellerangaben – die tatsächliche Grenze hängt von Material, Vorschub und deiner Führung ab. Probier es an einem Reststück aus, bevor du am Werkstück ansetzt.

Die wichtigste Technik: Entlastungsschnitte

Das ist der Trick, den kaum jemand kennt und der die meisten Kurvenprobleme löst. Statt zu versuchen, den engen Radius in einem Zug zu fahren, sägst du vorher mehrere gerade Schnitte vom Rand bis kurz vor die Kurvenlinie.

Was das bewirkt:

  • Der Abfall fällt in kleinen Stücken heraus, statt als ein großes Stück am Blatt zu klemmen.
  • Das Blatt hat seitlich Platz und wird nicht eingeklemmt.
  • Du sägst nur noch kurze Kurvenabschnitte statt einer langen Kurve.

Bei einem Halbkreis reichen meist vier bis sechs Entlastungsschnitte. Bei sehr engen Radien setzt du sie enger. Wichtig: Immer knapp vor der endgültigen Linie enden, nie darüber hinaus.

Einen Kreis aussägen: Schritt für Schritt

  1. Kreis anzeichnen und Werkstück fixieren

    Mit Zirkel oder Schablone anreißen. Werkstück mit zwei Zwingen so fixieren, dass der gesamte Kreis frei über die Kante der Unterlage hinausragt – sonst sägst du in die Werkbank.

  2. Einstichloch bohren

    In der Abfallseite, dicht an der Linie, ein Loch mit mindestens 10 mm Durchmesser bohren. Für ein Innenloch bohrst du innerhalb, für eine ausgeschnittene Scheibe außerhalb.

    Nicht einstechen. Manche Anleitungen zeigen, wie man die Säge kippend ins Material eintauchen lässt. Das ist möglich, aber unnötig riskant: Die Säge kann zurückschlagen, das Blatt bricht leicht, und die Anschnittstelle wird hässlich. Ein Bohrloch dauert zwanzig Sekunden.

  3. Schmales Kurvenblatt einsetzen

    T 101 AO für dünnes Material, T 244 D für dickeres. Vorher Netzstecker ziehen oder Akku entnehmen.

  4. Pendelhub auf 0, Drehzahl mittel

    Der Pendelhub drückt das Blatt in der Kurve aus der Linie. Die Drehzahl auf mittlere Stufe – hohe Drehzahl macht die Säge schwerer kontrollierbar.

  5. Entlastungsschnitte setzen

    Bei Radien unter etwa 50 mm: mehrere gerade Schnitte vom Rand bis kurz vor die Linie. Bei großen Kreisen kannst du sie weglassen.

  6. Aus dem Bohrloch heraus langsam der Linie folgen

    Fußplatte satt aufliegen lassen, Säge starten, dann in den Schnitt führen. Die Säge über die Fußplatte drehen, nicht das Blatt seitlich drücken. Wenn es hakt: zurückziehen, nicht mit Kraft weiterdrücken.

  7. Am Ende ausfahren lassen

    Am Ende des Schnitts die Säge weiterlaufen lassen, aus dem Material ziehen und erst dann abschalten. Das Blatt ist danach heiß.

  8. Kante nacharbeiten

    Auch der sauberste Kurvenschnitt bleibt eine Sägekante. Mit Schleifpapier auf einem Kork- oder Schaumstoffklotz nachschleifen – der passt sich der Rundung an. Bei Innenausschnitten hilft eine Rundfeile.

Fünf Fehler und was stattdessen zu tun ist

FehlerFolgeStattdessen
Breites Blatt für engen RadiusBlatt verklemmt, verwindet sich, bricht Schmales Kurvenblatt mit O in der Bezeichnung
Pendelhub anBlatt läuft aus der Linie, Kante wird schräg Pendelhub auf 0
Seitlich gegen das Blatt drückenBlatt verwindet sich, Schnitt wird keilförmigSäge über die Fußplatte drehen, nicht das Blatt lenken
Zu schnell fahrenBlatt folgt nicht, läuft über die Linie hinaus Langsamer als beim Geradschnitt
Mit dem Blatt einstechenRückschlag, Blattbruch, hässliche AnschnittstelleEinstichloch bohren, mindestens 10 mm

Innenausschnitte in Arbeitsplatten

Der häufigste praktische Fall: eine Spüle oder ein Kochfeld in eine Küchenarbeitsplatte einlassen.

Die Ecken sind der kritische Punkt

An den Innenecken eines rechteckigen Ausschnitts will man den Radius auf null bringen. Genau dort reißt die Platte am liebsten ein – und ein Riss in einer Arbeitsplatte ist nicht reparabel.

So geht es richtig: In jede Ecke ein Loch mit etwa 10 mm Durchmesser bohren, dann von Loch zu Loch geradeaus sägen. Die verbleibende Rundung in der Ecke ist unkritisch, weil sie unter dem Rand der Spüle verschwindet. Prüf vorher am Ausschnittmaß der Spüle, dass die Rundung tatsächlich abgedeckt wird.

Weitere Punkte bei Arbeitsplatten:

  • Blatt: T 101 BRF (rückwärts gezahnt) oder T 301 BCP (Präzision, 91 mm)
  • Pendelhub 0, Drehzahl mittel
  • Von oben sägen und die Sichtseite mit Kreppband schützen – umdrehen geht bei einer eingebauten Platte nicht
  • Das Ausschnittstück von unten abstützen, damit es am Ende nicht abbricht und dabei die Kante ausreißt
  • Schnittkanten nach dem Aussägen mit Silikon oder Kantenversiegelung behandeln – Spanplatte quillt bei Feuchtigkeit auf

Wann Kurven nichts für die Stichsäge sind

  • Sehr enge Radien unter etwa 15 mm: Da hilft auch das schmalste Blatt nicht mehr. Nimm eine Laubsäge, eine Dekupiersäge oder einen Fräser mit Kopierring.
  • Viele identische Teile: Wenn du zwanzigmal dieselbe Form brauchst, säge eine grob vor und arbeite mit einem Bündigfräser und Schablone. Das ist schneller und alle Teile sind identisch.
  • Sehr dickes Material mit Kurve: Über etwa 50 mm verläuft das Blatt in der Kurve so stark, dass die Kante keilförmig wird. Bandsäge.

Kurvenblätter

Grundausstattung Holz

Sägeblatt-Set Holz (T-Schaft)

Wer nur mit dem Blatt aus der Verpackung sägt, wird nie ein gutes Ergebnis bekommen. Ein Set mit sauberem, schnellem und Kurvenblatt deckt 90 % ab.

  • T 101 B – sauber, gerade
  • T 144 D – schnell, gerade
  • T 101 AO – Kurven
  • T 119 BO – Kurven, dünn

Beim Kauf beachten: Achte darauf, dass T-Schaft (Einnockenschaft) draufsteht. U-Schaft passt in moderne Sägen nicht.

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Werkstück fixieren

Schraubzwingen

Die häufigste Ursache für schräge Schnitte und Unfälle ist ein Werkstück, das wandert. Zwei Zwingen lösen mehr Probleme als jede teurere Säge.

  • 2 × Schraubzwinge 200–300 mm
  • Optional Unterlagshölzer

Beim Kauf beachten: Werkstück so einspannen, dass die Schnittlinie frei über die Kante hinausragt – sonst sägst du in die Werkbank.

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