Kurven und Kreise sägen
Kurven sind die Disziplin, in der die Stichsäge jedem anderen Elektrowerkzeug überlegen ist. Trotzdem gehen genau hier die meisten Blätter kaputt – weil fast alle den Radius zu eng ansetzen und mit seitlichem Druck dagegenhalten. Der Trick besteht darin, den Radius nicht zu erzwingen, sondern ihn dem Blatt zu ermöglichen.
Das Grundprinzip: Die Säge dreht sich um die Fußplatte
Wenn du eine Kurve fährst, dreht sich die Säge über die Fußplatte – nicht über das Blatt. Das Blatt muss dieser Drehung folgen, und dabei stemmt sich sein Rücken gegen die Innenseite der Schnittfuge.
Je breiter das Blatt, desto stärker verklemmt es. Ein 8 mm breites Blatt braucht deshalb einen deutlich größeren Radius als ein 4 mm breites. Wer den Radius trotzdem erzwingt, verwindet das Blatt – es schneidet dann schräg, wird heiß und bricht irgendwann an der Einspannstelle.
Die Kurvenregel in einem Satz
Für Kurven brauchst du ein schmales Blatt und Pendelhub 0 – und du musst langsamer fahren, als du möchtest.
Die Kurvenblätter
Kurvenblätter erkennst du am O in der Bezeichnung: Es
steht für den schmalen Blattrücken. Zusätzlich sind sie meist kürzer, weil ein kurzes Blatt
sich weniger verwindet.
| Blatt | Material | Stärke | Verzahnte Länge | Charakter |
|---|---|---|---|---|
T 101 AO | Weichholz, Sperrholz, beschichtete Platten | 1,5–15 mm | 56 mm | Feinste Zahnung, engste Radien |
T 119 BO | Weichholz, Sperrholz, Platten | 2–15 mm | 56 mm | Günstiges Basic-Blatt |
T 244 D | Weichholz, Platten | 5–50 mm | 74 mm | Für dickeres Material, schneller |
T 218 A | Stahlblech | 1–3 mm | 67 mm | Kurven im Blech |
T 118 EOF | Blech, Lochblech | 1,5–4 mm | 57 mm | Bi-Metall, bruchfest |
T 227 D | Aluminium, Buntmetall | 3–15 mm | 74 mm | Große Zahnlücken für Alu-Span |
Welcher Radius ist möglich?
Als grober Anhaltspunkt: Der kleinste sinnvolle Radius entspricht ungefähr dem
Vier- bis Fünffachen der Blattbreite. Ein schmales Kurvenblatt wie das T 101 AO schafft
damit Radien in der Größenordnung von 15 bis 20 mm, ein normales Holzblatt eher 40 bis
50 mm. Das sind Erfahrungswerte, keine Herstellerangaben – die tatsächliche Grenze hängt von
Material, Vorschub und deiner Führung ab. Probier es an einem Reststück aus, bevor du am
Werkstück ansetzt.
Die wichtigste Technik: Entlastungsschnitte
Das ist der Trick, den kaum jemand kennt und der die meisten Kurvenprobleme löst. Statt zu versuchen, den engen Radius in einem Zug zu fahren, sägst du vorher mehrere gerade Schnitte vom Rand bis kurz vor die Kurvenlinie.
Was das bewirkt:
- Der Abfall fällt in kleinen Stücken heraus, statt als ein großes Stück am Blatt zu klemmen.
- Das Blatt hat seitlich Platz und wird nicht eingeklemmt.
- Du sägst nur noch kurze Kurvenabschnitte statt einer langen Kurve.
Bei einem Halbkreis reichen meist vier bis sechs Entlastungsschnitte. Bei sehr engen Radien setzt du sie enger. Wichtig: Immer knapp vor der endgültigen Linie enden, nie darüber hinaus.
Einen Kreis aussägen: Schritt für Schritt
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Kreis anzeichnen und Werkstück fixieren
Mit Zirkel oder Schablone anreißen. Werkstück mit zwei Zwingen so fixieren, dass der gesamte Kreis frei über die Kante der Unterlage hinausragt – sonst sägst du in die Werkbank.
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Einstichloch bohren
In der Abfallseite, dicht an der Linie, ein Loch mit mindestens 10 mm Durchmesser bohren. Für ein Innenloch bohrst du innerhalb, für eine ausgeschnittene Scheibe außerhalb.
Nicht einstechen. Manche Anleitungen zeigen, wie man die Säge kippend ins Material eintauchen lässt. Das ist möglich, aber unnötig riskant: Die Säge kann zurückschlagen, das Blatt bricht leicht, und die Anschnittstelle wird hässlich. Ein Bohrloch dauert zwanzig Sekunden.
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Schmales Kurvenblatt einsetzen
T 101 AOfür dünnes Material,T 244 Dfür dickeres. Vorher Netzstecker ziehen oder Akku entnehmen. -
Pendelhub auf 0, Drehzahl mittel
Der Pendelhub drückt das Blatt in der Kurve aus der Linie. Die Drehzahl auf mittlere Stufe – hohe Drehzahl macht die Säge schwerer kontrollierbar.
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Entlastungsschnitte setzen
Bei Radien unter etwa 50 mm: mehrere gerade Schnitte vom Rand bis kurz vor die Linie. Bei großen Kreisen kannst du sie weglassen.
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Aus dem Bohrloch heraus langsam der Linie folgen
Fußplatte satt aufliegen lassen, Säge starten, dann in den Schnitt führen. Die Säge über die Fußplatte drehen, nicht das Blatt seitlich drücken. Wenn es hakt: zurückziehen, nicht mit Kraft weiterdrücken.
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Am Ende ausfahren lassen
Am Ende des Schnitts die Säge weiterlaufen lassen, aus dem Material ziehen und erst dann abschalten. Das Blatt ist danach heiß.
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Kante nacharbeiten
Auch der sauberste Kurvenschnitt bleibt eine Sägekante. Mit Schleifpapier auf einem Kork- oder Schaumstoffklotz nachschleifen – der passt sich der Rundung an. Bei Innenausschnitten hilft eine Rundfeile.
Fünf Fehler und was stattdessen zu tun ist
| Fehler | Folge | Stattdessen |
|---|---|---|
| Breites Blatt für engen Radius | Blatt verklemmt, verwindet sich, bricht | Schmales Kurvenblatt mit O in der Bezeichnung |
| Pendelhub an | Blatt läuft aus der Linie, Kante wird schräg | Pendelhub auf 0 |
| Seitlich gegen das Blatt drücken | Blatt verwindet sich, Schnitt wird keilförmig | Säge über die Fußplatte drehen, nicht das Blatt lenken |
| Zu schnell fahren | Blatt folgt nicht, läuft über die Linie hinaus | Langsamer als beim Geradschnitt |
| Mit dem Blatt einstechen | Rückschlag, Blattbruch, hässliche Anschnittstelle | Einstichloch bohren, mindestens 10 mm |
Innenausschnitte in Arbeitsplatten
Der häufigste praktische Fall: eine Spüle oder ein Kochfeld in eine Küchenarbeitsplatte einlassen.
Die Ecken sind der kritische Punkt
An den Innenecken eines rechteckigen Ausschnitts will man den Radius auf null bringen. Genau dort reißt die Platte am liebsten ein – und ein Riss in einer Arbeitsplatte ist nicht reparabel.
So geht es richtig: In jede Ecke ein Loch mit etwa 10 mm Durchmesser bohren, dann von Loch zu Loch geradeaus sägen. Die verbleibende Rundung in der Ecke ist unkritisch, weil sie unter dem Rand der Spüle verschwindet. Prüf vorher am Ausschnittmaß der Spüle, dass die Rundung tatsächlich abgedeckt wird.
Weitere Punkte bei Arbeitsplatten:
- Blatt:
T 101 BRF(rückwärts gezahnt) oderT 301 BCP(Präzision, 91 mm) - Pendelhub 0, Drehzahl mittel
- Von oben sägen und die Sichtseite mit Kreppband schützen – umdrehen geht bei einer eingebauten Platte nicht
- Das Ausschnittstück von unten abstützen, damit es am Ende nicht abbricht und dabei die Kante ausreißt
- Schnittkanten nach dem Aussägen mit Silikon oder Kantenversiegelung behandeln – Spanplatte quillt bei Feuchtigkeit auf
Wann Kurven nichts für die Stichsäge sind
- Sehr enge Radien unter etwa 15 mm: Da hilft auch das schmalste Blatt nicht mehr. Nimm eine Laubsäge, eine Dekupiersäge oder einen Fräser mit Kopierring.
- Viele identische Teile: Wenn du zwanzigmal dieselbe Form brauchst, säge eine grob vor und arbeite mit einem Bündigfräser und Schablone. Das ist schneller und alle Teile sind identisch.
- Sehr dickes Material mit Kurve: Über etwa 50 mm verläuft das Blatt in der Kurve so stark, dass die Kante keilförmig wird. Bandsäge.