Stichsägeblatt-Bezeichnungen entschlüsselt
Auf jedem Stichsägeblatt steht ein Code wie T 101 BRF. Er sieht aus wie
eine Artikelnummer, ist aber eine vollständige Beschreibung des Blatts: Aufnahme, Bauform,
Zahnteilung, Sonderform und Blattmaterial. Wenn du diesen Code lesen kannst, findest du in
jedem Baumarktregal in dreißig Sekunden das richtige Blatt – und kaufst nie wieder eines,
das nicht passt.
T 101 BRF in seine Bestandteile zerlegt. Die Reihenfolge ist immer
gleich: Schaftform, Bauform, Zahnteilung, Sonderformen, Blattmaterial.1. Der erste Buchstabe: die Aufnahme
Der erste Buchstabe sagt, in welche Sägen das Blatt überhaupt passt. Das ist die Kompatibilitätsfrage Nummer eins und der häufigste Fehlkauf.
| Kürzel | Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|---|
T | T-Schaft, Einnockenschaft | Heutiger Quasi-Standard. Eine seitliche Nocke, werkzeugloser Wechsel. Passt in praktisch jede Säge, die nach 2000 gebaut wurde. |
U | U-Schaft, Universalschaft | Ältere Bauart mit U-förmiger Aussparung, wird mit einer Klemmschraube fixiert. Nur noch an alten Maschinen. |
M | Feinschaft (Makita-Schaft) | Schmalere Sonderform bei einigen älteren Makita-Modellen und Feinschnittsägen. |
Praktisch heißt das: Wenn du heute eine Säge kaufst, bekommst du T-Schaft. Wenn du eine geerbte Säge aus den Neunzigern in der Werkstatt stehen hast, schau nach, ob an der Aufnahme eine Schraube sitzt – dann ist es U-Schaft, und die Blattauswahl im Handel ist deutlich kleiner.
Ausführlich: T-Schaft, U-Schaft und was in deine Säge passt →
2. Die dreistellige Zahl: die Bauform
Die Zahl beschreibt die Bauform des Blatts – im Wesentlichen Länge, Breite und die grundsätzliche Zahngeometrie. Sie ist keine Materialangabe, auch wenn das häufig behauptet wird. Die erste Ziffer hängt eng mit der Blattlänge zusammen:
| Erste Ziffer | Verzahnte Länge | Typische Vertreter |
|---|---|---|
1xx | ca. 56–77 mm | T 101 B, T 144 D, T 118 A – die Standardlänge für Material bis etwa 50 mm |
2xx | ca. 56–91 mm | T 244 D, T 218 A, T 227 D – überwiegend Kurvenvarianten mit schmalerem
Blattrücken |
3xx | ca. 91–126 mm | T 308 BF, T 318 A, T 344 D – lange Blätter für dickes Material |
7xx | ca. 154 mm | T 744 D, T 718 BF – Extralängen für Bauholz und Sandwich-Material |
Die Längen-Faustregel
Die verzahnte Länge muss deutlich größer sein als das Material dick ist – als Richtwert mindestens Materialstärke plus die Hublänge deiner Säge (meist 18 bis 26 mm). Sonst verlässt das Blatt im unteren Umkehrpunkt das Material nicht und der Span wird nicht ausgeworfen.
3. Der Buchstabe nach der Zahl: die Zahnteilung
Hier steckt die eigentliche Musik. Der Buchstabe steht für die Zahnteilung, also den Abstand von Zahnspitze zu Zahnspitze. Je kleiner die Zahnteilung, desto feiner und langsamer der Schnitt.
| Buchstabe | Zahnteilung | Charakter | Beispiel |
|---|---|---|---|
A | ca. 1,2–2,0 mm | sehr fein, langsam, sehr sauber | T 101 AO, T 118 A |
B | ca. 2,0–2,7 mm | fein, guter Kompromiss | T 101 B, T 118 B |
C | ca. 3,0 mm | mittel, zügig | T 111 C, T 301 CD |
D | ca. 4,0–5,2 mm | grob, schnell, raue Kante | T 144 D, T 127 D |
Bei manchen Metallblättern taucht zusätzlich ein E auf
(zum Beispiel T 118 EOF). Es bezeichnet eine besonders feine Ausführung im
Metallbereich.
Merksatz
A ist fein, D ist derb. Wenn du vor dem Regal stehst und dich zwischen
T 101 B und T 144 D entscheiden musst: B für die Sichtkante, D wenn es nur schnell
weg muss.
4. Die Zusatzbuchstaben: Sonderformen
Alles, was danach kommt, beschreibt Besonderheiten. Diese Buchstaben lassen sich
kombinieren – deshalb gibt es Codes wie T 101 BRF (rückwärts gezahnt und
Bi-Metall).
| Kürzel | Bedeutung | Wozu |
|---|---|---|
O | schmaler Blattrücken | Für Kurvenschnitte. Das Blatt verkantet in engen Radien nicht. Beispiel: T 101 AO |
R | rückwärts gezahnt (Reverse) | Zähne zeigen nach unten, das Blatt schneidet im Abwärtshub. Ergebnis: ausrissfreie
Oberseite. Beispiel: T 101 BR |
F | Bi-Metall (BIM) | Verbund aus zähem Trägerstahl und harten HSS-Zähnen. Bricht seltener, hält länger.
Beispiel: T 144 DF |
X | progressive Zahnteilung | Zahnteilung wird von der Aufnahme zur Spitze hin gröber. Ein Blatt für einen breiten
Materialstärkenbereich. Beispiel: T 234 X |
P | Präzision | Auf Winkelgenauigkeit optimiert, dickerer Blattkörper. Beispiel: T 144 DP |
FS | für Inox | Speziell für rostfreien Edelstahl abgestimmte Zahngeometrie. Beispiel: T 118 GFS |
HM | Hartmetallzähne | Für abrasive Werkstoffe wie Gipskarton, Faserzement, GFK. Beispiel: T 141 HM |
Riff | Hartmetallkörnung statt Zähnen | Schleift statt zu schneiden – für weiche Wandfliesen. Beispiel: T 130 Riff |
5. Das Blattmaterial: HCS, HSS, BIM, HM
Das Blattmaterial steht meist zusätzlich aufgedruckt und bestimmt, wie lange ein Blatt hält und woran es zugrunde geht.
| Kürzel | Was es ist | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
HCS | Hochlegierter Kohlenstoffstahl | Sehr flexibel, günstig, bricht kaum. Ideal für Weichholz und Kurven. | Zähne werden in Hartholz, Spanplatte und allem Abrasiven schnell stumpf. |
HSS | Schnellarbeitsstahl | Sehr harte Zähne, hitzebeständig. Für Metall und Kunststoff. | Spröde. Bricht bei Verkanten oder seitlichem Druck ohne Vorwarnung. |
BIM | Bi-Metall: HCS-Rücken, HSS-Zähne verschweißt | Die Kombination aus beidem – flexibel und trotzdem standfest. Beste Allrounder. | Zwei- bis dreimal so teuer wie HCS. |
HM / HW | Hartmetall | Extrem verschleißfest, für Gips, Faserzement, GFK, Keramik. | Teuer und sehr bruchempfindlich bei seitlicher Belastung. |
Wann sich Bi-Metall wirklich lohnt
Ein T 101 BF kostet ungefähr das Zwei- bis Dreifache eines T 101 B (Preisspanne
je nach Anbieter, ca. 2–4 € pro Blatt, Stand Juli 2026 – maßgeblich ist der Preis beim
Händler). In Weichholz merkst du davon wenig. In Buche, Eiche, MDF oder Spanplatte hält das
Bi-Metall-Blatt ein Vielfaches länger und rechnet sich ab dem zweiten Projekt.
6. Vier Codes im Klartext
-
T 101 BT = T-Schaft · 101 = kurze Standardbauform, verzahnte Länge 74 mm · B = feine Zahnteilung 2,7 mm · kein Zusatz = HCS-Stahl.
Im Klartext: Das Standardblatt für saubere gerade Schnitte in Weichholz und Platten von 3 bis 30 mm. Wenn du nur ein einziges Blatt im Haus hast, ist es dieses. -
T 144 DT = T-Schaft · 144 = Standardlänge 74 mm · D = grobe Zahnteilung 4–5,2 mm, geschränkte Zähne · HCS.
Im Klartext: Das schnellste Standardblatt. Frisst sich durch Weichholz von 5 bis 50 mm, hinterlässt aber eine sichtbar raue Kante. Für alles, was später verdeckt wird. -
T 101 BRFT = T-Schaft · 101 = Standardlänge · B = feine Zahnteilung 2,5 mm · R = rückwärts gezahnt · F = Bi-Metall.
Im Klartext: Das Problemlöser-Blatt für beschichtete Platten, Laminat und Küchenarbeitsplatten bis 45 mm. Schneidet im Abwärtshub, deshalb bleibt die Oberseite ausrissfrei – und dank Bi-Metall überlebt es auch abrasive Beschichtungen. -
T 118 AT = T-Schaft · 118 = kurze Metallbauform, verzahnte Länge 67 mm · A = sehr feine Zahnteilung 1,1–1,5 mm, gewellt gefräst · HSS-Stahl.
Im Klartext: Der Standard für dünnes Stahlblech von 1 bis 3 mm. Die feine Zahnteilung sorgt dafür, dass immer mehrere Zähne gleichzeitig greifen – ohne das würde sich das Blatt festhaken und brechen.
7. Die vollständige Übersicht
Alle gängigen Stichsägeblätter mit T-Schaft, sortiert nach Einsatzbereich. Zahnteilung und verzahnte Länge sind Herstellerangaben mit Stand Juli 2026. Bei Sortimentspflege können sich Werte ändern – im Zweifel auf der Verpackung nachsehen.